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B'NAI B'RITH CENTERS, JERUSALEM, ISRAEL ANLÄSSLICH DES 50. JUBILÄUMS DES STAATES ISRAEL |
JUBILÄUM - Grussbotschaften zu den Feiern zum 50. Geburtstag Israels |
B'NAI B'RITH CENTERS, JERUSALEM, ISRAEL
ANLÄSSLICH DES 50. JUBILÄUMS DES STAATES ISRAEL
Nach der schweren Prüfung des Holocaust und des Unabhängigkeitskriegs wurde Israel vor 50 Jahren gegründet. In den folgenden Jahren wechselten Friedenshoffnung und Kriegswirren mit der Eroberung von Land, es folgte die Herausforderung der Konsolidierung, der Notwendigkeit, der Anpassung einer utopischen Ideologie an die Realität der Errichtung eines modernen, demokratischen Staats. Auch heute ist Israel mit Herausforderungen in allen Bereichen konfrontiert: militärisch, politisch, diplomatisch, wirtschaftlich, religiös und sozial.
Mag man auch die Idee der göttlichen Vorsehung annehmen oder ablehnen, so gilt Israel doch beinahe überall als modernes Wunder. In einer Region zu kämpfen, zu überleben und aufzublühen, die der Idee einer jüdischen Nation derart feindlich gegenübersteht, ist In der Tat ein Wunder. Es ist ein Beweis für die Tapferkeit und den Durchhaltewillen des israelischen Volkes. Trotz Krieg, Terrorismus und wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelang Israel der Aufbau einer schlagkräftige Armee, die Wiederbelebung seiner Sprache, die Landbesiedlung, die Integrierung zahlreicher Einwanderer, die Entwicklung einer fortschrittlichen Industrie und von Regierungsinstitutionen, wie es sie seit dem letzten Jüdischen Staat vor ca. 2000 Jahren nicht mehr gegeben hat. Nur die militärische Übermacht Israelis und die Beharrlichkeit der Bevölkerung in den letzten 50 Jahren brachten seine Feinde In dieser Region dazu, den Weg zu einem Verhandlungsfrieden zu beschreiten,
Seit seiner Entstehung war Israel stets erheblichen existentiellen Bedrohungen ausgesetzt: durch die Angriffe der arabischen Armeen 1948 oder die heutige, sehr aktuelle Bedrohung durch chemische, biologische und atomare Waffen. Gleichzeitig gemessen die Israelis die Freiheiten einer der liberalsten und lebendigsten Demokratien der Welt und die internationale Wirtschaft hat ihr Vertrauen in die wachsende Wirtschaftskraft Israels In den letzten Jahren durch eine erhebliche Zunahme ausländischer Investitionen unter Beweis gestellt.
Zusätzlich zur ständigen Herausforderung der Wahrung der staatlichen Sicherheit steht die politische Führung Israels heute zwei neuen Verpflichtungen gegenüber: Erhaltung des jüdischen Charakters des Staates und Aufrechterhaltung einer engen und bedeutungsvollen Beziehung mit der Diaspora.
Von lediglich 600'000 Juden bei der Unabhängigkeit ist Israel heute zu einem Staat mit beinahe 6 Millionen Bürgern angewachsen, davor fast 5 Millionen Juden, die für die nächste Zukunft den jüdischen Charakter des Staates sichern werden. Eine wichtige Frage ist jedoch für das 21. Jahrhundert, welcher Art der jüdische Charakter des Staates sein wird. Obwohl sich die Mehrheit der Israelis ethnisch als Juden betrachten und eine jüdische Lebensart beibehalten, gibt es eine deutliche Polarisierung in extrem religiöse und extrem weltliche Bewegungen mit zunehmender Schwächung der gemässigten Mitte.
In den vergangenen 50 Jahren erlebten wir einen ausserordentlichen Konsens der jüdischen Welt für die materielle und politische Unterstützung des Staates Israel. Die Zeit schreitet jedoch fort und der Abstand zu den historischen Ereignissen der ersten Gründerzeit Israels wird grösser und damit auch die Distanz zwischen Israel und der Diaspora. Auch diese Tatsache ist eine grosse Herausforderung für die jüdische Führung: Wie ist es in Zukunft möglich, eine enge Beziehung zwischen Israel und der Diaspora zu halten, wie kann man das Schicksal beider Gemeinschaften noch enger verbinden ?
Die beiden Verpflichtungen, nämlich einerseits den jüdischen Charakter des Staates unter Wahrung von Toleranz und Pluralismus zu festigen und andererseits eine gesunde Beziehung zwischen Israel und der Diaspora zu sichern, bleiben - auch in Zukunft - Hauptaufgabe des B'nai B'rith World Centers, der ständigen offiziellen Vertretung des B'nai B'rith in Jerusalem.
| Shalom P.Doron | Vorsitzender |
| Fred S. Worms | Vorsitzender des Verwaltungsrates |
| Alan Schneider | Direktor |
| Hugh Schwartzberg | Zweiter Vorsitzender |
| Arthur Recht | Dritter Vorsitzender |
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JUBILÄUM -Grussbotschaften zu den Feiern zum 50. Geburtstag Israels
«Die Türen Israels stehen offen »
| EZER WEIZMANN | PRÄSIDENT DES STAATES ISRAEL |
| BENJAMIN NETANYAHU | PREMIERMINISTER ISRAEL |
| ROLF BLOCH | PRÄSIDENT DES SIG |
| LOUIS BLOCH | PRÄSIDENT DES SCHWEIZERISCHEN ZIONIST'EN-VERBANDES |
EZER WEIZMANN, PRÄSIDENT DES STAATES ISRAEL
Der Staat Israel feiert dieses Jahr das Jubiläum seiner Unabhängigkeit. In den letzten fünfzig Jahren haben wir trotz inneren und äusseren Schwierigkeiten ein aussergewöhnliches Land aufgebaut. Wir haben eine blühende Gemeinschaft, eine der fortgeschrittensten Wissenschaften der Welt eine beeindruckende Forschung, eine hochentwickelte Landwirtschaft und ein äusserst reiches kulturelles Leben.
Im selben Zug hatten wir auch
aussergewöhnlichen Erfolg in der Bewältigung der Herausforderung von Einwanderern aus
aller Welt. Nur in den letzten paar Jahren haben wir 750000 Juden aus der ehemaligen UdSSR
und 80000 aus Äthiopien aufgenommen. Sie leisten alle einen wichtigen Beitrag zu unserer
Gesellschaft und unserem Land. Unglücklicherweise sind noch nicht alle unserer jüdischen
Brüder und Schwestern nach Israel ausgewandert. Zu Euch Brüdern und Schwestern in der
Diaspora sage ich - die Türen des Staates Israel stehen für Euch offen! Unsere Herzen
und Arme sind offen Euch willkommen zu heissen. Kommt und schliesst Euch uns im Bemühen
an, eine Modellgesellschaft und ein aussergewöhnliches Land aufzubauen. Kommt und
realisiert mit uns zusammen in Israel den erreichten, lebten in Israel 600000 Juden. Seit
damals hat sich die Bevölkerung des Landes verzehnfacht. 5,9 Millionen Einwohner leben in
Israel darunter mehr als eine Million arabische Bürger, welche die gleichen Rechte
gemessen.

Unsere Gesellschaft ist sehr vielfältig aber trotz aller Kontraste wird die Loyalität zum Staate von allen geteilt. In diesem Jahrhundert hat das jüdische Volk mit dem Holocaust in Europa das schlimmste Ereignis seiner langen Geschichte durchlebt. Es hat aber auch ungeahnte Leistungen vorzuweisen: Die Errichtung eines nationalen Heimes in Israel die Verwandlung Israels in das unbestrittene Zentrum des Weltjudentums und die Einführung der während zwei Jahrtausenden des Exils am Leben gehaltenen hebräischen Sprache als Sprache des Alltags. Immer noch haben wir Sicherheitsprobleme aber wir sind auf dem richtigen Pfad, dem Pfad zum Frieden.
Ich glaube daran, dass wir innerhalb weniger Jahre im Mittleren Osten eine umfassende Friedenslösung erreichen werden. Bereits heute haben wir ruhige Grenzen und friedliche Beziehungen mit Ägypten und Jordanien, und wir unterhalten Hoffnungen für 'eine Friedensregelung mit den Palästinensern. In der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel stellen wir fest, dass wir allen unsren Nachbarn die Hand zu Frieden und guter Nachbarschaft ausstrecken. Wir sind bereit, unseren Teil im Bemühen zur Entwicklung des gesamten Mittleren Ostens zu leisten. Diese Absichtserklärung ist selbstverständlich auch heute noch gültig. Ich hoffe, dass wir die Friedensverhandlungen mit Syrien und Libanon erneuern und mit allen Ländern, welche das bis anhin noch nicht getan haben, diplomatische Beziehungen etablieren werden.
Wenn ich retrospektiv auf die Leistungen der
kommenden fünfzig Jahre zurückschaue, so bin ich mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt,
was die Leistungen Israels in den kommenden fünfzig Jahren angeht.
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BENJAMIN NETANYAHU, PREMIERMINISTER ISRAEL
In diesem Jahr feiern wir den 50. Geburtstag des Staates Israel. Dies stellt einen Höhepunkt unserer Geschichte dar. Ich glaube, wir können stolz darauf sein, was wir in diesem halben Jahrhundert erreicht haben.
Schon bevor der Staat offiziell ausgerufen wurde, wurden wir von allen Seiten her angegriffen. Die meisten Militärexperten bezweifelten, dass der junge Staat überleben würde. Doch wir haben nicht nur gegen alle Widerstände überlebt, sondern auch etwas vollbracht, was nur als modernes Wunder bezeichnet werden kann. Wir haben Millionen Juden aus dem Exil eingesammelt, dabei eine blühende Wirtschaft entwickelt, in den Künsten, "Wissenschaften, Technologie und Landwirtschaft einen internationalen Ruf erworben.
Mit Entschlossenheit und Mut haben wir bewiesen, das wir uns gegen alle Feinde verteidigen können.. All diese Errungenschaften haben unsere Nachbarn davon überzeugt, dass wir permanent in der Region bestehen werden. Ägypten und Jordanien haben mit uns Friedensverträge unterzeichnet und wir haben zahllose Beziehungen zu anderen arabischen Läindern. Mit unseren palästinensischen Nachbarn haben wir einen Friedensprozess begonnen. Es gibt nur wenige Opfer und Zugeständnisse, die Israel nicht bereit sind zu machen, um mit all seinen Nachbarn Frieden zu schliessen.

Nur muss eine wesentliche Bedingung befriedigt werden: Sicherheit! Und doch erwarten viele, dass Israel sich aus Gebieten zurückzieht, welche die Geburtsstätte der jüdischen Zivilisation sind, dass Israel die Kontrolle über strategisch wichtige Ressourcen aufgibt und sich so in eine Situation der Verwundbarkeit begibt trotz der völligen Abwesenheit jeglicher glaubwürdiger Sicherheitsgarantien. Dies können wir nicht tun. Die Wichtigkeit von Sicherheit leichtfertig abzutun, würde bedeuten, unsere Verantwortung als Regierung zu vernachlässigen. Juden auf der ganzen Welt müssen sich darin einig sein, dass Sicherheit ein integraler, unerlässlicher Bestandteil des Friedensprozesses bleibt. Nur so können wir wirklichen Frieden erreichen.
Seit den schweren Anfangen des Staats ist Einheit unsere wertvollste Waffe gewesen. Und wann immer in diesem Band der Einheit Risse auftreten, dann haben wir immer wieder bewiesen, dass wir in Krisenzeiten oder in Zeiten nationaler Herausforderung unsere Differenzen zur Seite legen können und als ein einiges Volk handeln.
Das Band zwischen Israel und der Diaspora ist für uns überlebensmächtig. Dieses Band ist es, was dem jüdischen Volk in der Gegenwart Kraft und Vertrauen für die Zukunft verleiht. Nicht jedes Ziel ist erreicht, nicht jede Herausforderung überwunden worden Heute, da wir hundert Jahre des Zionismus und 50 Jahre des Staates Israel begehet, dürfen wir den Zweck des Zionismus nicht aus den Augen verlieren: Die Zusammenführung des jüdischen Volkes in einen jüdischen Staat. Da Israels Ökonomie sich rasant entwickelt und Israels Lebensstandard das Niveau der entwickelten Nationen erreicht, gibt es keinen Grund warum die Juden der Diaspora nicht die Alija erwägen sollten.
Ich bin sicher, dass die Mehrheit des jüdischen Volkes in Israel leben wird, wenn wir Israels 60. Geburtstag feiern werden. Wir werden den Kreis des Friedens auch so erweitern, dass er alle unsere Nachbarn umfassen wird. Wir werden die sozioökonomischen Gräben in unserer Gesellschaft zuschütten und die Differenzen zwischen unseren verschiedenen religiösen Strömungen lösen.
Lasst uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, aber lasst uns auch unsere wunderbaren Errungenschaften mit Stolz betrachten und lasst uns zuversichtlich seit, dass wir auch in Zukunft erfolgreich alle Herausforderungen bestehen und alle Hindernisse überwinden werden. Wir sind ein Volk für immer vereint durch Religion, Geschichte und ein gemeinsames Schicksal. Mit den besten Wünschen für ein fröhliches Fest,
Chag Sameach aus Jerusalem, Israels ewiger Hauptstadt.
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Für alle derjenigen unter uns, die den Mai 1948 erlebt haben, bedeutet die Gründung des Staates Israel die Verwirklichung eines Traumes, einer Utopie ja der Beginn eines Wunders.
Mit Mut, Zielstrebigkeit und viel Einsatz ist es dem jungen Staat gelungen, sich zu bestätigen zu bestehen und sich zu entwickeln. Wir haben den Kampf zum Aufbau dieses Landes miterlebt, wie es sich öffnete zur Aufnahme der «displaced persons» aus Europa, der Flüchtlinge des Maghreb und aus Jemen und der Freiwilligen der Alija. Dies bedeutete eine doppelte Anstrengung, einerseits das Erschliessen des Grund und Bodens und andererseits die Integration das Entstehen eines neuen Volkes, da einige der Israelis der Neuzeit.

Wir selbst und die ganze Welt waren davon beeindruckt. Niemand hielt «die Juden» für fähig dieses Werk des Wiederaufbaus zu erfüllen. Juden als Bauern, arbeitsam und erfüllt von eisernem Willen, Juden als siegreiche Solldaten. Dies entsprach nicht dem Bild das man sich von den juden machte. vielmehr sah man sie vor allem als Intellektuelle von schwächlicher Statur und eher als prädestiniert.
Mit Erstaunen begann die Welt das Opfer das Bild, das man sich vom jüdischen Volk bisher machte, anders wahrzunehmen, ja man empfand die Israelis als Nation die sich gegenüber anderen Staaten zu behaupten und ihre Rechte und ihre Existenz geltend zu machen wusste. Bewunderung, oder auf jeden Fall Respekt wurden dieser neuen Nation zuteil Diese neue Einstellung, diese neue Beurteilung, die man dem jüdischen Volk entgegenbrachte, wirkten sich auch auf die luden der Diaspora aus, z.B. auf diejenigen der Schweiz.
Der Respekt den man den juden Israels gab, üb sich auch auf die Juden der ganzen Welt. Schon allein aus diesem Grund sind die Schweizer luden und in ihrem Namen auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund heute dem Volk und dem Staat Israel dankbar .Israel hat auch uns Schweizer juden zu mehr Achtung und moralischer Sicherheit verholfen und nicht zuletzt dank dem Gesetz über die Rückkehr, die Gewähr. eines sicheren Hafens, eines möglichen Zufluchtsortes, auch physische Garantie gegeben.
Könnte ich anlässlich der 50-Jahr-Feier, zusammen mit dem Überbringen meiner Glückwünsche bis zu 120, eine Hoffnung äussern, wünschte ich mir, dass der Respekt, den wir für alle Juden in der Welt fordern, der gleiche sei, der gleiche sein muss, den wir für alle Menschen empfinden und ihnen entgegenbringen sollten Ich denke nicht, dass ich mit einer solchen Überlegung an etwas oder an jemandem Verrat über, im Gegenteil ich bin überzeugt, dass das Einhalten dieses Prinzips dem jüdischen Denken und auch der Bestimmung des Staates Israel entspricht.
In dieser Zuversicht und mit Stolz erfüllt grüssen die Schweizer Juden den Staat Israel zu seinem 50jährigen Bestehen.
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LOUIS BLOCH, PRÄSIDENT DES
SCHWEIZERISCHEN ZIONIST'EN-VERBANDES
In 50 Jahren hat Israel in seiner Existenz aussergewöhnliche
Fortschritte in Wissenschaft, Technologie, Handel und Industrie gemacht. Der Yom Haazmaut
ist nicht nur in Israel ein Festtag, sondern für alle Juden in der Welt.
Seitdem Unabhängigkeitstag, - als sich die Freude über die. Wiedererrichtung eines jüdischen Staates mit dem Lärm der Bomben der Feinde und der Trauer um sterbende Menschen mischte - träumt Israel vom Frieden. Auch dieses Jahr wurde kostbares Leben durch Terrorismus vernichtet.
Im Ringen um den Frieden ist Israel mit den Friedensverhandlungen mit den Palästinensern und dem Frieden zwischen Ägypten und Jordanien ein grosses Stück weiter gekommen. Jedoch ist Israel noch lange nicht am Ziel.
Dank der Integrationswilligkeit der neuen Bürger und dem offenen Herzen der alten gelingt es dem kleinen Staat Israel, was grossen Ländern nicht gelingt, wenn sie sich einem Strom von Neuankömmlingen gegenüberstehen. Die meisten der jüdischen Olim Chadaschim fühlen sich wirklich zu Hause. In Erinnerung an das Jubiläum des Ersten Zionistenkongresses letztes Jahr in Basel wissen wir, dass Zionismus eine grosse Herausforderung unserer Generation und Zeit ist.
Als kleines Volk verlieren wir jeden Tag mehr und mehr unserer Söhne, die die Tradition ihrer Väter verlassen. Die Aufgabe kann nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen dem jüdischen Volk und der Diaspora und dem Staat Israel gelöst werden.
Ein Blick zurück in die Zukunft
Visionen für Israel
In der Vision, die Herzl und andere zionistische Denker für die künftige Heimat der Juden entworfen hatten, verbanden sich die wertvollsten Elemente europäischer und jüdischer Denktradition. Ein Friedensschluss mit den Palästinensern und den arabischen Nachbarländern könnte Raum für die Realisierung dieser Utopie schaffen.
In diesem Jahr, da Israel gleichzeitig sein
fünfzigjähriges Bestehen und das Hundertjahrjubiläum der von Theodor Herzl in Basel
gegründeten zionistischen Bewegung feiert, wären zwei Aufgaben anzugehen, die in
unmittelbarem Wechselverhältnis stehen. Zum einen muss die durch das Osloer Abkommen
geschlagene Bresche, welche den Weg zu einem historischen Kompromiss mit den
Palästinensern und Arabern öffnen könnte, erweitert und vertieft werden. Zum andern
sollte endlich nicht mehr der Kampf ums Überleben im
Belagerungszustand die innenpolitische Agenda des Landes
diktieren, sondern vielmehr die Erfüllung jener
moralischen und geistigen Verheissungen, die den Zionismus zu
einer der nobelsten Befreiungs- und
Aufbaubewegungen in diesem Jahrhundert machten.
Die Prämissen für die Chance von Oslo
ergaben sich aus dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des kalten Krieges. Indem
Amerika als einzig verbleibende Supermacht aus dem Kräftemessen hervorging, hatte die
arabische Seite im Nahostkonflikt ihren strategischen Schutzschirm und ihr Sicherheitsnetz
verloren. Wann immer in Zukunft ein arabisches Land in einen bewaffneten Konflikt mit
Israel tritt, wird es jeden verlorenen Panzer, jedes abgeschossene Flugzeug definitiv
abschreiben müssen, ohne Hoffnung auf Ersatzlieferungen vom Grossen Bruder in Moskau. Mit
anderen Worten, 1956, 1967 und 1973 gehören ein für allemal der
Vergangenheit an: die neuen Verhältnisse erlauben den
Arabern nicht mehr, nach einem verlorenen Krieg
mit russischer Hilfe wieder aufzurüsten und weiterhin die
Realität eines israelischen Staates und die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz zu
negieren.
Diese De-Globalisierung des
arabisch-israelischen Konflikts liess den radikalen Exponenten der arabischen Seite - etwa
der PLO oder Syrien - keine andere Wahl, als sich mit Israel zu arrangieren. Keine
regenerierte russische Macht, kein islamischer Fundamentalismus wird je die Rolle
übernehmen können, welche die Sowjetunion bei der Perpetuierung des Nahostkonfliktes
gespielt hat: Indem sie der arabischen Seite den Rücken stärkte, machte sie es dem
doppelt - durch die arabischen Nachbarn und der Sowjetunion im Hintergrund - bedrohten
Israel auch doppelt schwer, die zum Friedensschluss in der Region notwendigen Kompromisse
einzugehen.
DIE LOGIK DER GESCHICHTE
Fanatiker auf beiden Seiten haben versucht,
den historischen Kompromiss, der in Oslo geschlossen wurde, zu unterminieren; und der
Wahlentscheid für Netanyahu und seine nationalistische Likud-Partei nach der Ermordung
Rabins bedeutet fraglos einen Rückschritt im Friedensprozess. Aber die dem Osloer
Abkommen eingeschriebene geschichtliche Logik ist - mit ihrem Einbezug der veränderten
geopolitischen Verhältnisse - so eindeutig, dass sie am Ende die Wechselfälle und
Rückschläge überdauern wird, die den komplizierten
Versöhnungsprozess notwendigerweise begleiten. Der zeitliche
Rahmen mag weiter gesteckt werden müssen, die innere Logik aber bleibt sich gleich:
Israel und die PLO haben sich gegenseitig anerkannt; die
palästinensischen Behörden sind nun effektiv für die
Belange fast der gesamten palästinensischen
Bevölkerung in Gaza und Cisjordanien zuständig; und sogar
Netanyahu anerkennt Arafat als Gesprächspartner
und verhandelt mit der PLO. Der Friede ist eine zarte Pflanze
und braucht sorgsame Pflege, deren nicht alle israelischen und palästinensischen Führer
in gleichem Masse kundig sind - Arafat zum Beispiel könnte ein Zeichen setzen, wenn er
seine Uniform gegen Zivilkleidung tauschen und den Israeli damit signalisieren würde,
dass die Zeit der Konfrontation endgültig vorüber ist. Der Rubikon zum Friedensschluss
aber ist überschritten.
All dies bedeutet, dass Israel - zum
erstenmal seit der Staatsgründung - eine Zukunft ins Auge fassen kann, die nicht
ausschliesslich oder mehrheitlich von der Sorge ums unmittelbare Überleben dominiert ist.
Gewiss, sogar im Belagerungszustand nahm man das Mass eher an Athen denn an Sparta:
Universitäten und Fachhochschulen blühten, Theater und Konzerthäuser waren zum Bersten
voll, in Israel wurden mehr Bücher pro Kopf veröffentlicht als - Island ausgenommen - in
jedem andern Land. Der öffentliche Diskurs war zwar notwendigerweise auf die nationalen
Probleme und Fragen fokussiert, aber nichtsdestoweniger lebhaft,
pluralistisch und offen, gelegentlich auch chaotisch in
seiner Vielstimmigkeit und Dissonanz.
Aber die fünfzig Jahre anhaltenden
Überlebenskampfes haben ihre Spuren hinterlassen. Allzuviel öffentliches Interesse und
soziale Energie mussten auf die zermürbende Anstrengung verwendet werden, eine
schlagkräftige Armee aufzubauen und im Wettlauf um fortschrittliche Rüstungstechnologien
vorn zu bleiben.
DER IDEALE STAAT
Der Zionismus hatte ursprünglich etwas ganz anderes vorgesehen. In seiner noch vom Liberalismus des 19. Jahrhunderts geprägten Naivität dachte sich Herzl Israel «wie die Schweiz», als neutralen Staat, der ohne grosse Armee auskommen konnte. Sein utopischer Roman «Altneuland» entwarf eine freiheitliche, multikulturelle Gesellschaft, in der deutsche Literatur, italienische Oper und französische Kultur nebeneinander blühten und der «Mutualismus» als Gesellschaftsordnung die Vorzüge von Kapitalismus und Sozialismus verband, gleichzeitig aber die Extreme beider Denkrichtungen vermied.
Die junge jüdische Gemeinschaft in
Palästina folgte zunächst tatsächlich der kühnen sozialen und kulturellen Vision, in
der Herzl und andere zionistische Denker die besten europäischen Denktraditionen
zusammengeführt hatten, indem sie humanistische Wertvorstellungen mit Elementen
sozialistischen Gedankengutes verbanden. Solidarität und soziale Gleichheit sollten in
den Kibbuzim aus freiem Willen und Idealismus erwachsen und nicht als Resultat von Zwang;
wenn das Land der jüdischen Siedlungen in der öffentlichen Hand verblieb, drückte sich
darin einerseits eine Kritik am wilden Kapitalismus aus, anderseits die Reminiszenz an
eine biblische Tradition, welche die Sorge für die Armen dieser Erde höher wertet als
den falschen Gott des Mammons. Die Wiederbelebung des Hebräischen stellte nicht allein
eine bemerkenswerte
linguistische und kulturelle Leistung dar, sondern sie schuf
eine Rückbindung der modernen Gesellschaft
an die alte prophetische Tradition und erlaubte den
jüdischen Intellektuellen, Jesaja mit Tolstoi in
Bezug zu setzen, Elia mit Kant und Moses mit Marx.
Nicht zuletzt erwies sich im Entstehen einer jüdischen Bauern- und Arbeiterschicht in Palästina, dass ein neues jüdisches Selbstverständnis auch die Lebensformen der Diaspora zu sozialer «Normalität» transformieren konnte - wenn den Juden einmal eine eigene Heimat gegeben war, wo sie nicht an den Rand der Gesellschaft verbannt und von den primären Produktionsmitteln und Arbeitsgrundlagen ferngehalten wurden.
Das Entstehen eines modernen und säkularen
jüdischen Nationalstaates mit eigener Kultur, eigener Sprache und eigenem Ethos versprach
auch neue Inspiration für die jüdischen Gemeinden in der Diaspora; denn nach einer von
Aufklärung und Säkularisation geprägten Epoche konnte ihnen die Religion nicht mehr
unbedingt als einzige und unhinterfragbare Basis der Solidarität und Identität dienen.
Diesen Gedanken strichen insbesondere zionistische Kulturtheoretiker wie Ahad Ha'am und
Martin Buber heraus. - Die zionistische Vision, so eklektisch sie sich präsentieren mag,
war zweifellos eines der edelsten Amalgame aus dem Gedankengut der europäischen
Aufklärung. Von Kant bezog sie das Konzept der moralischen Autonomie, von
Rousseau Gedanken zu Erziehung und Gemeinwohl, von Herder
Einsichten ins Wesen von Kultur und
Identität; all dies verband sie mit einer reichhaltigen und
auf den Stand der Moderne gebrachten
judaistischen Tradition. Aus diesen Elementen bezog die
jüdische Gemeinschaft in Palästina und dem
neugegründeten Israel ihre vibrierende Vitalität und Kraft
so gut wie jene Geistigkeit, welche weiter oben den
Vergleich mit Athen erlaubte.
In den Jahren des Krieges und des
Belagerungszustands allerdings verflüchtigten sich manche dieser Ideen, andere sind
verknöchert. Die Kibbuzim haben zwar überlebt, aber sie wuchsen und vermehrten sich
nicht. Für die jüngere Generation haben sie ihre Anziehungskraft weitgehend verloren und
ebenso ihre Bedeutung als Modell für die israelische Gesellschaft. Auch andere Versuche,
neue gesellschaftliche Strukturen aufzubauen, sind stagniert - etwa die einst starke und
wirkungsmächtige Histadrut, die nicht allein Gewerkschaft war, sondern auch ein Netzwerk
von Vereinigungen und Kooperativen, das eine Art Mittelfeld zwischen
Privatwirtschaft und bürokratischem Etatismus schuf.Die
israelische Armee hat in den jahrzehntelangen
zermürbenden Auseinandersetzungen mit der palästinensischen
Bevölkerung eine funktionalistische
Mentalität entwickelt, welche ihr ursprüngliches Ethos -
die Verteidigung einer kleinen Nation gegen
die feindselige Übermacht ringsum - deutlich trübt. Im
Kontakt mit der Diaspora stand die finanzielle und
politische Unterstützung für den jungen Staat im
Vordergrund, während sich der bereichernde kulturelle
Austausch nur ungenügend entwickelte.
NEUE PERSPEKTIVEN
Der Frieden und das Mass an - relativer - innerer Ruhe, das mit ihm kam, liegen der heutigen wirtschaftlichen Prosperität Israels zugrunde. Auf dieser Grundlage sollte sich Israel nun seinen ursprünglichen, über die reine Existenzfrage hinausgehenden Zielsetzungen zuwenden können und in entsprechenden moralischen und intellektuellen Dimensionen denken lernen.
Zu einem guten Teil geschieht dies bereits:
zum Beispiel, indem die Kontroversen über die Rolle der Religion im jüdischen Staat,
welche man während der Zeit der äusseren Bedrohung notgedrungenermassen unter den
Teppich gekehrt hatte, nun offen ausgetragen werden. Darin deutet sich nicht etwa eine
drohende Existenzkrise der israelischen Nation an. Vielmehr sind gerade solche interne
Auseinandersetzungen ein Signal für
Normalität und Sicherheit und für das - durchaus nicht nur
in Israel bestehende - Bedürfnis, die komplexe Frage
nach der kollektiven Identität einer Gesellschaft anzugehen,
welche die Religion nicht nur mit einer
gedankenlosen Imitation des aufklärerischen Gestus in den
Bereich des Privaten zurückverweist. Dieser
notwendige Kulturkampf ist ein Zeichen der Reife und nicht
Indikator einer unüberwindlichen Krise.
Die Frage nach dem Status der arabischen
Einwohner Israels (die beinahe 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen) wurde ebenfalls
jahrelang totgeschwiegen. Sie stellt sich nun bedingungslos und wird erst mit einer
schlüssigen Lösung vom Tisch sein. Dabei geht es nicht allein um zivile und politische
Rechte; die israelischen Araber haben bereits das Wahlrecht, sie sind in der Knesset
vertreten und spielten zur Zeit der Regierung Rabin/Peres im Parlament das Zünglein an
der Waage: ohne ihre Stimmen wäre das Osloer Abkommen nicht angenommen worden. Die
grundsätzlichere und schwierigere Frage jedoch betrifft ihre kollektive Identität.
Arabisch ist in Israel die zweite offizielle Landessprache: aber heisst das lediglich,
dass
arabische Knesset-Mitglieder die Debatte in ihrer Sprache
führen dürfen und dass die arabische
Bevölkerung ein Recht auf eigene Schulen hat (beide
Ansprüche sind bereits erfüllt) - oder bedeutet es,
dass die arabische Kultur der israelischen Kultur insgesamt
zugerechnet werden muss? Und was wären die
Konsequenzen solcher Anerkennung hinsichtlich Erziehung und
Schulwesen, Gestaltung des
Kulturlebens und des öffentlichen Raumes? Herzl hatte die
viersprachige Schweiz als Exempel
zitiert - Israel aber ist fern von solch einvernehmlichen
Verhältnissen, wenn es darum geht,
den Arabern im eigenen Kulturverständnis einen Platz
einzuräumen.
Auch das Verhältnis zur Diaspora transzendiert langsam die rein instrumentelle Dimension einer kontinuierlichen politischen und finanziellen Unterstützung für das um sein Überleben ringende Israel. Die Finanzhilfe, welche dem Staat von aussen zufliesst, macht keine zwei Prozent des Budgets mehr aus, und im Zentrum des Dialogs mit der Diaspora stehen heute kulturelle Fragen: etwa über die Rolle der konservativen Glaubensrichtung und des Reformjudentums in der zwischen Orthodoxie und Säkularismus polarisierten israelischen Gesellschaft, über die Rolle des Hebräischen und die Bedeutung Israels im Erziehungswesen jüdischer Gemeinden im Ausland.
Viele andere, lange übergangene Probleme könnten jetzt und in Zukunft aufgegriffen werden. Werden die Kibbuzim sich allmählich zu komfortablen Vorstadtsiedlungen wandeln, oder wird das Ideal von Gemeinschaftlichkeit und Solidarität, auf dem sie einst gründeten, wieder erwachen und auch auf andere Bereiche des Gesellschaftslebens abstrahlen? Wird Israel zu einer eigenständigen Auseinandersetzung mit dem Problem sozialer Ungleichheit fähig sein in einer Welt, wo das Konzept des Wohlfahrtsstaates allenthalben durch einen gelegentlich simplistischen Neoliberalismus in Frage gestellt wird - und können israelische Erfahrung und jüdische Tradition in dieser Hinsicht Zeichen setzen, eine neue normative Dimension schaffen in einer zunehmend vom Prozess der Privatisierung vereinnahmten Welt?
Wenn man in Israel heute auf die gewaltige Leistung zurückblickt, einen Staat geschaffen und ihn unter Anfeindungen und schwierigen Bedingungen aufgebaut zu haben: dann gehört zu der Feier auch die Rückbesinnung auf die Ideen und Werte, die hinter seiner Gründung standen. Diese preiszugeben hiesse, auch den inneren Zusammenhalt des Landes und seinen Rang unter den Nationen aufs Spiel zu setzen.
Shlomo Avineri ist Professor für Politische
Wissenschaften und Leiter des Instituts für Europäische Studien an der Hebräischen
Universität in Jerusalem.
Für seine Leistungen wurde er mit dem Israel-Preis
ausgezeichnet.
Neue Zürcher Zeitung vom 09.05.98