Judentum
Der Versöhnungstag
Zehn Tage nach Rosch Haschana beginnt der höchste jüdische Feiertag, der Versöhnungstag, genannt Jom Kippur. Von Sonnenuntergang des Vorabends bis zum vollkommenen Eintreten der nächsten Nacht essen und trinken die gläubigen Juden nichts. Es ist der wichtigste Tag des jüdischen Jahres. Wir stehen vor dem Angesicht des Allmächtigen. Im Gebet müssen wir Rechenschaft ablegen für Vergehen gegenüber uns und Gtt und gegenüber uns und unseren Mitmenschen. Warum aber brauchen wir dazu einen Fasttag? Fünf Entbehrungen muss ein Jude an Jom Kippur machen: Essen, Trinken, Salben oder Waschen, Tragen von Lederschuhen und den ehelichen Verkehr. Diese fünf Entbehrungen entsprechen den fünf Büchern Moses, die die Juden angenommen haben und deren Gebote und Verbote (hebr. Mizwot) der gläubige Jude zu erfüllen versucht, auch ohne die Annehmlichkeiten körperlichen Wohlbefindens. Ebenso entsprechen sie den fünf Sinnen des Menschen, mit denen der Mensch sowohl die Mizwot erfüllt oder die g"ttlichen Gesetze übertritt. Lediglich kranke Menschen, welche aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten können oder schwangere Frauen, bei denen das Fasten für das ungeborene Kind eine Gefahr sein kann, sind von dieser Pflicht befreit.
Es wird auffallen, dass am Tage des Jom Kippur in der Synagoge alle Männer weiss gekleidet sind. Mit dieser Tradition will man wie die diensthabenden Engel von dem Allmächtigen erscheinen. Man trägt weisse Kittel, sogenannte Totenhemden, die an den Tag des Todes erinnern sollen. Goldene Verzierungen sind verboten, da diese an das goldene Kalb erinnern. Silberne Verzierungen hingegen sind gestattet, denn Silber ist wie weiss, und weiss ist das Symbol für Gnade.
Am späteren Nachmittag des Jom Kippur Tages wird an die Verstorbenen gedacht (Seelengedenkfeier). Dabei erinnert man sich im Gebet an verstorbene Verwandte, an die Opfer der Massenvernichtung des Zweiten Weltkrieges und an die in Israels Kriegen Gefallenen. Juden. Deren beide Elternteile noch leben, müssen diese Gebete nicht sprechen.
Der Feiertag endet - wie zu Beginn gesagt - mit dem völligen Eintritt der Nacht. Ein Schofarton (Ton aus dem Widderhorn) kündigt das Ende des Feiertages und auch der Fastenzeit an. Die Himmelstore werden geschlossen, das wahre und gerechte Urteil durch den Herrn ist gesprochen, und das Einschreiben in das g"ttliche Buch ist erfolgt.
Literaturverzeichnis:
Wie Juden leben" von Israel M. Lau Gütersloher
Verlagshaus 3.Auflage 1993
Das jüdische Jahr" von Eliahu Kitov Verlag
Morascha Zürich 1. Auflage 1990
Artikel von : Frédéric Weil, September 1997