Judentum

Der Auszug aus Ägypten


Pessach, das erste
unter den in der Bibel genannten grossen jüdischen Festen, wird von mehr Juden eingehalten und gefeiert als irgendein anderes Fest des jüdischen Kalenders. In der Regel findet es im Monat April statt. Nach einer jüngeren Untersuchung begehen 99% der israelischen Bevölkerung das Fest (das genau acht Tage dauert) in irgendeiner Weise, z.B. indem sie Matze verzehren, die zu Pessach untersagten Speisen (Chamez) meiden, ihr Haus vollständig säubern und an einem Seder (erster Abend des Pessachfestes) oder an einem Synagogengottesdienst teilnehmen.

Es ist nicht schwer zu begreifen, warum die Juden Pessach so wichtig nehmen, denn dieses Fest ist tief in der jüdischen Geschichte verwurzelt. Zu Pessach wird der Auszug der Kinder Israel aus dem ägyptischen "Sklavenhaus" gefeiert, und es soll daran erinnert werden, wie wichtig es ist, den Kampf für die Freiheit in jeder Generation fortzusetzen. Zu diesem grundsätzlichen, spirituellen Konzept kommt noch das prächtige Zeremoniell und die besonderen Speisen hinzu, wodurch Pessach zu einem einzigartigen unter den jüdischen Festen wird.

Pessach war und ist ein Familienfest. Das alte Testament (im 2. Buch Mose 12) sagt: "Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat (Nissan) soll bei euch der erste Monat sein ... Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus ..." Dieses Lamm, das Pessach-Lamm, sollte bis zum 14. des Monat gehütet und dann geopfert, gebraten und unter den Familienmitgliedern verteilt werden. Heute verlocken die breite Palette von Speisen und die Seder-Feier in der Familie viele Menschen dazu, an der Pessach-Erfahrung teilzuhaben.

"Pessach verkündet eine Botschaft an das Gewissen und an das Herz der ganzen Menschheit...

Es ist der Protest Israels gegen das Böse. Ungerechtigkeit, so heisst es, könne wohl eine Zeitlang triumphieren, doch selbst wenn der Starke sie am Schwachen verübt, wird sie am Ende unweigerlich ihre Strafe finden."

Mazza (volkst. Matze) Mazza wird gemäss dem biblischen Gebot zum Andenken an den überstürzten Auszug der Kinder Israel aus Ägypten gegessen: "Und das Volk trug den rohen Teig, ehe er durchsäuert war ... " (2. Buch Mose 12,34). Im 5. Buch Mose 16,3 wird die Botschaft noch genauer erläutert: "Sieben Tage sollst du Ungesäuertes essen ... auf dass du des Tages deines Auszugs aus Ägyptenland gedenkst dein Leben lang".

Aus diesem Vers haben die Rabbiner den Schluss gezogen, dass man in der ersten Pessach-Nacht Mazza essen muss, während es an den übrigen Tagen der Pessach-Woche jedem Gläubigen freisteht, solange er kein Chamez (gesäuertes) isst.

Normalerweise braucht Brot 24 Stunden zum Aufgehen (fermentieren). Arme Leute konnten häufig nicht so lange warten, weil sie sonst nichts zu essen hatten.

Das alte Testament (5. Buch Mose 16,3) und die Haggada, - ein spezielles Buch, das nur an Pessach (Seder) vorgelesen wird - , nennen das ungesäuerte Brot (Mazza) das "Brot der Armen", oder auch "das Brot des Elends".