Judentum

Die jüdische "Fastnacht"

Genau wie Chanukka ist auch Purim ein eher eines der kleineren Feste, das aber mit einem historischen Ereignis zusammenhängt.

Ein ganzes Buch der Bibel - das Buch Esther, das auch die Megillat Esther oder Estherrolle genannt wird - erzählt von den Vorgängen, auf die sich dieses Fest bezieht. Der spannende Bericht wird in der Purim-Nacht beim Gottesdienst in der Synagoge und noch einmal am nächsten Morgen verlesen.

Der Name Purim - so wird in der Estherrolle berichtet - leitet sich von dem Wort "pur" (Plural Purim) ab, das "Los" bedeutet (im Sinne von "ein Los ziehen")', wegen der Lose, die Haman, "Ministerpräsident" des damaligen persischen Königs Achaschwerosch, ziehen liess, um den Tag zu bestimmen, an dem die Juden des Landes vernichtet werden sollten.

Hamans Vorhaben wurde von der schönen Königin Esther und ihrem Cousin Mordechai vereitelt. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens setzte sich Esther beim König für ihr Volk ein, woraufhin Hamans Befehl scheiterte. So wurden die persischen Juden nicht ausgerottet, sondern Haman und seine Familie endeten an dem Galgen, den er selbst für Mordechai errichtet hatte. Da verwandelten sich "ihre Schmerzen in Freude" und die Tage der Verzweiflung wurden zu Festtagen, an denen "einer dem anderen Geschenke und den Armen Gaben schicke".

Das Buch Esther erklärt den 14. Adar (etwa im März) als den Tag, an dem Purim gefeiert werden soll. Allerdings gelang es den Juden in Schuschan, einer der Hauptstädte des persischen Reiches, erst am nächsten Tag, sich ihrer Feinde zu entledigen, und sie feierten Purim am 5. Adar. Da Schuschan mit einem Wall befestigt war, wurde es auch in anderen befestigten Städten Brauch, das Fest erst am 5. Adar zu feiern.

Jerusalem, das schon seit der Antike mit einer Stadtmauer umgeben war, feiert noch heute Purim am 15. Adar (in den übrigen Teilen Israels wird es am 14. gefeiert).

Beim Verlesen der Megilla während des Gottesdienstes in der Synagoge wird jedesmal, wenn der Name Haman fällt, auf irgendeine Weise Lärm veranstaltet: Durch Fussstampfen oder mit Rasseln . Vor Tagesende tauschen Freunde und Verwandte Geschenke aus und versammeln sich zu einen Festmahl, das Seuda genannt wird (Seudat Purim).

Artikel von Frédéric P. Weil