Das jüdische Neujahr
Rosch Haschana (Kopf des Jahres) ist der Name des jüdischen Neujahrsfest, das nach dem jüdischen Kalender am ersten und zweiten des Monats Tischri gefeiert wird. Da sich der jüdische Kalender nach dem Mond richtet (am ersten Tischri ist dann Neumond), findet das Neujahrsfest gegenüber dem christlichen Kalender nicht immer zur selben Zeit statt (dieses Jahr am 2./3. Oktober 97). Wie alle jüdischen Feiertage beginnt auch Rosch Haschana am Vorabend. Die deshalb, weil der Sonnenuntergang der Beginn des eigentlichen neuen Tages ist.
Ganz im Gegensatz zum christlichen Neujahrsfest, das mit oft ausgelassener Freude, Champagner und Feuerwerke begangen wird, ist das jüdische Neujahrsfest eine eher ernstere Sache. Der Champagner fehlt und auch die Feuerwerke steigen nicht zum Himmel. Aber etwas steigt sehr wohl zum Himmel: Die geistige Hingabe dieses Tages, die durch die Gebete in der Synagoge und das sogenannten Schofar blasen (das Schofar ist das Horn eines Widders) zum Ausdruck kommt. Die Tora (die 5 Bücher Mose) hat den Juden geboten, an diesem Tag in das Schofar zu blasen. Hundert Töne sind es, die jeder Jude an jedem Tag von Rosch Haschana hören muss. Dieses Schofarblasen soll Erbarmen beim Allmächtigen für die Nachkommen Isaaks, der auf dem Altar gebunden war, erwecken.
Rosch Haschana ist aber nicht nur Schofar blasen. Es ist auch der Tag des Gerichts. Das Urteil, das der Allmächtige fällt, bezieht sich nur auf die Dinge dieser Welt: ob der Mensch es verdient, in Frieden zu leben, oder ob er leidet, oder gar sterben muss. An Rosch Haschana soll der Mensch auch seinen Sinn auf das Gebet richten, hauptsächlich auf die Herrschaft des Erhabenen und auf Anliegen der Gemeinschaft, mehr als auf persönliche Bitten. Die ganze Menschheit soll vom Richter einen Freispruch erhalten und der Weltfriede soll einkehren.
Rosch Haschana ist demzufolge ein ernster Feiertag. Ein Fest, an dem gläubige Juden keinerlei Arbeite verrichten. (Dies gilt auch für alle andern Feiertage und natürlich auch dem Schabbat.) Alle Handlungen aus dem Alltag wie zum Beispiel Schreiben, Fahren, Telefonieren, Radio hören, Fernsehen und kochen, sind an diesen Tagen untersagt. Dies ist auch der Grund, weshalb viele Juden an diesen Tagen dem Berufsleben fern bleiben.
Literaturverzeichnis:
Wie Juden leben" von Israel M. Lau Gütersloher
Verlagshaus 3.Auflage 1993
Das jüdische Jahr" von Eliahu Kitov Verlag
Morascha Zürich 1. Auflage 1990
Artikel von : Frédéric Weil, September
1997