Judentum
Das Wochenfest (Fest
der 10 Gebote)
Schawuot ist eines der drei Wallfahrtsfeste - die anderen beiden sind Pessach und Sukkot. Zur Zeit des Tempels wurden die Wallfahrtsfeste in Jerusalem gefeiert, wohin die Juden aus ganz Palästina und aus den Nachbarregionen zu diesen Anlässen reisten.
Schawuot ist unter mehreren Namen bekannt, wie "Wochenfest" oder "Fest der Wochen" (Chag Ha-Schawuot), das "Fest der Erstreife" (Chag Ha-Bikkurzim) oder Erntefest (Chag Ha Kazir). In jedem dieser Namen spiegelt sich der bäuerliche Charakter dieses Festes wider, das im späten Frühling gefeiert wurde, wenn die neue Weizenernte hereinkam; es wurde im Tempel ein besonderes Dankopfer dargebracht..
Schawuot fällt auf den 6. Siwan, sieben Wochen und einen Tag nach dem zweiten Pessach-Tag. So wird es eng mit Pessach verknüpft. Der Talmud betrachtet Schawuot als ein Fest zum Abschluss von Pessach und nennt es sogar Azeret, was Abschluss bedeutet. Die Bibel stellt gar keine Beziehung zwischen Schawuot und der Offenbarung Gottes auf dem Berg Sinai her. Das tut hingegen der Talmud. Anscheinend wurde die Verbindung geknüpft, als die Gelehrten den biblischen Bericht nachgerechnet und festgestellt hatten, dass das Datum des bäuerlichen Festes von Schawuot und die Ereignisse am Berg Sinai zusammenfielen. Es wurde die ganze Festnacht hindurch gelernt, und die Feier galt den Gläubigen als ein erhabener Moment, um ihr Judentum zu stärken.
Es wird beim Gottesdienst in der Synagoge zu Schawuot das Buch Ruth laut vorgelesen. Ruth war eine Moabiterin, deren Loyalität zum Judentum sprichwörtlich geworden ist.
Ende des 19. Jahrhunderts führte das
reformierte Judentum die sogenannte Konfirmationsfeier in den Gottesdienst von Schawuot
ein. Heute ist der Tag in den reformierten, konservativen und sogar einigen orthodoxen
Gemeinden der Zeitpunkt, an dem die Mädchen und jungen zwischen 13 und 16 Jahren ihr
Bekenntnis zur jüdischen Lebensweise ablegen.
Artikel von : Frédéric Weil, Juni 1998