Der jüdische Kalender
Das jüdische Jahr ist auf Monaten aufgebaut, die mit dem Neumond beginnen und abwechselnd 30 oder 29 Tage lang sind, weil der Zeitabstand von einem Neumond zum nächsten ungefähr 29 1/2 Tage beträgt. Der Neumondstag (auf hebräisch: Rosch Chodesch) war in biblischer Zeit ein festlicher Akt und wird auch heute noch in der Liturgie der Synagoge feierlich begangen. Der oberste Gerichtshof in Jerusalem musste damals allmonatlich von neuem die Entscheidung treffen, wann der Neumondstag sei, dann nämlich, wenn sich der erste feine Streifen der neuen Mondsichel am Himmel zeigte. Sobald diese Entscheidung gefallen war, schickte man Boten mit der Nachricht in die jüdischen Gemeinden, damit diese die Daten für die in den betreffenden Monaten fallenden Festtagen festlegen konnten. Schwer erreichbare Gemeinden feierten die Festtage zwei Tage lang, da sie nicht rechtzeitig verständigt werden konnten. Als später der Kalender endgültig fixiert wurde, behielt man die alte Einrichtung bei und feierte in der Diaspora - d.h. ausserhalb Israels - die meisten Feiertage zwei Tage lang, während in Israel die meisten Feiertage nur einen Tag dauern.
Das Sonnenjahr, das die Jahreszeiten bestimmt, ist etwa 11 Tage länger als das Mondjahr, auf dem das jüdische Jahr aufbaut. Um das Mondjahr von 354 Tagen dem Sonnenjahr von 365 Tagen anzupassen, wurde ein Kalender ausgearbeitet, der auf einem 19-jährigen Zyklus beruht mit sieben Schaltmonaten, welche im Frühjahr eingeschaltet werden. So haben innerhalb dieses 19-jährigen Zyklus 7 Jahre 13 Monate und die übrigen nur 12. Dieser Kalender stellt eine bedeutende mathematisch-astronomische Leistung dar und hat tatsächlich seit seiner endgültigen Einführung im 4. Jahrhundert d.Z. nie korrigiert werden müssen.
Die Berechnung des jüdischen Jahres geht davon aus, dass die Erschaffung der Welt 3761 Jahre v.d.Z. vollendet wurde. So erhält man die aktuelle jüdische Jahreszahl durch die Addition der Zahl 3761 mit der jeweiligen Jahreszahl der bürgerlichen Zeitrechnung.
Das Judentum kennt zwei Jahreskreise, das
biblische und das bürgerliche Jahr. Somit gibt es zwei "Neujahre" im jüdischen
Jahr. Der Anfang des biblischen Jahres fällt auf den Frühling und beginnt mit dem Monat
Nissan. Der Monat Nissan ist der erste Monat des Jahres in der Tora (2 Moses 12, 2), aber
der siebte im bürgerlichen jüdischen Jahr. Der Anfang des bürgerlichen Jahres beginnt
somit ein halbes Jahr später mit dem Monat Tischri. In diese beiden Monate fallen die
meisten jüdischen Feste, so dass man von zwei speziellen Festzeiten, im Frühling und im
Herbst, sprechen kann.