Wählen Sie ein Fest, dessen Bedeutung Sie kennen
lernen
wollen:
| Rosch Haschana | Jüdisches Neujahr |
| Jom Kippur | Versöhnungstag |
| Sukkot | Laubhüttenfest |
| Simchat Tora | Torafest |
| Chanukkah | Lichterfest |
| Purim | Fest der Königin Esther |
| Pessach | Auszug aus Ägypten |
| Schawuot | Fest der 10 Gebote |
| Jom Ha'azmaut | Fest der Staatsgründung |
| Jom Hasikaron | Tag der Gefallenen |
Rosch Haschana heisst "Kopf des
Jahres" und ist das jüdische Neujahrsfest. Es wird im Herbst, im Monat Tischri
begangen. Zum Neujahrsfest in der Synagoge gehört der
Schofar, das Blasinstrument aus einem Widderhorn. Nach festgelegtem Ritus werden
verschiedene Töne darauf geblasen, um einerseits die Menschen zur Besinnung aufzurufen
und andererseits das Lob Gottes zu verkünden. Die
vorherrschende Farbe in der Synagoge ist weiss, als Symbol der
Reinheit. So sind der
Vorhang des Toraschrankes, die Decke auf dem Vorbeterpult die Kleider des Vorbeters und
zum Teil sogar aller Betenden aus weissem Stoff. Die
Menschen grüssen sich am Neujahrsabend und an den darauffolgenden Tagen mit "zu
einem guten Jahr mögest Du ins Buch des Lebens eingetragen sein". Beim feierlichen
Essen zuhause brennen wie an jedem Festtag Kerzen. Es wird der Segen über Brot und Wein
gesprochen, wobei das Brot diesmal in Honig statt in Salz getaucht wird. Nach dem Segen
ist es Brauch, Apfelstücke in Honig zu essen, als Symbol der Hoffnung auf ein gutes
"süsses" Jahr.
Am Neujahrstag beginnen die "zehn Tage
der Umkehr". Nach der Überlieferung wird das Buch des Lebens vor dem Richterstuhl
Gottes aufgeschlagen. In diesem Buch sind die Taten der Menschen festgehalten. Am ersten
Tag, d.h. am Neujahrstag wird das Urteil geschrieben, und am zehnten Tag wird es
besiegelt. Dies ist der Versöhnungstag, Jom Kippur. Die zehn Tage sollen den Menschen die
Möglichkeit geben zur Selbstbesinnung, zur Reue über unrechte Taten und zur Bitte um
Versöhnung bei den Mitmenschen, denen man Böses angetan hat.
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Jom Kippur, der Versöhnungstag, ist das
höchste jüdische Fest. Es bildet den Abschluss der zehn Busstage, die mit Rosch Haschana beginnen. An diesem Tag wird laut der
Überlieferung das Urteil über die Menschen von Gott gesprochen und das Buch des Lebens
wieder geschlossen. Wenn sich die Menschen versöhnen und begangenes Unrecht einer am
anderen wieder gut machen, werden sie freigesprochen. Jom
Kippur ist ein strenger Fastentag. Die Gläubigen bleiben den ganzen Tag über in der
Synagoge. Im Gottesdienst am Vorabend wird das bekannte Kol Nidre Gebet von Kantor
gesungen. Kol Nidre heisst "alle Gelübde". Das Gebet besagt, dass
Versprechungen, die man sich selbst und Gott gegenüber nicht eingehalten hat,
ausgelöscht werden. Die Menschen beten auch für ihre Verstorbenen und zünden am
Vorabend Kerzen für sie an.
Die Synagoge ist wie am Rosch Haschana ganz in weiss gehalten. Zur Mittagszeit wird aus dem Buch Jona vorgelesen. Dieser Prophet predigte den sündigen Bewohnern von Ninive Gottes Strafgericht, wenn sie nicht von ihren bösen Taten umkehrten. Daraufhin liessen sie von ihren Sünden ab und wurden gerettet. Am Ende des Versöhnungstag erklingt in der Synagoge ein langer Schofarton.
In der Geschichte des israelisch-arabischen
Konfliktes ist Jom Kippur mit einem Krieg verbunden. Am Versöhnungstag 1973 (6. Oktober)
wurde Israel von Ägypten und Syrien angegriffen, da an diesem Tag das gesamte
öffentliche Leben, auch das politische und militärische ruhte.
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Sukkot ist das siebentätige
Laubhüttenfest. "Sukka" heisst Laubhütte. Seiner ursprünglichen Bedeutung
nach ist es ein Erntefest, so, dass in der Synagoge auch für alle Früchte gedankt und um
Regen für das trockene Israel gebetet wird. Wie bei
den anderen zwei Wallfahrtsfesten Pessach und Schawuot
ist neben dem naturgegebenen Anlass allmählich eine
religiös-historische Bedeutung in
den Vordergrund gerückt: Die Juden erinnern sich an die vierzigjährige Wanderung von
Ägypten durch die Wüste in das "Gelobte Land" Israel. In dieser Zeit lebten
sie in Hütten, die sie immer wieder neu aus trockenen Palmzweigen bauten. Zum Gedächtnis
daran sollen sie jedes Jahr während sieben Tagen in selbsgebauten Laubhütten wohnen.
Die heutige Sukka wird aus Brettern, Ästen, Laub und Tüchern errichtet und mit Blumen und Früchten geschmückt. Das Dach wird aus Ästen und Laub gemacht und soll so dicht sein, dass es bei Sonne Schatten bietet und so locker, dass man bei Nacht die Sterne sehen kann. Die Hütte steht im Garten oder auf dem Balkon. In manchen Wohnsiedlungen werden Gemeinschaftshütten aufgestellt, in denen mehrere Familien abwechseln essen und Gäste empfangen können. In vielen Synagogen wird im Synagogenhof eine Laubhütte errichtet, die von den Gemeindemitgliedern frei benutzt werden kann.
Ausser der Hütte ist ein besonderer
Feststrauss für das Sukkotfest wichtig: Er wird aus Dattelpalmen-, Myrten- und
Bachweidenzweigen zusammengebunden. In die eine Hand nimmt man diesen Strauss, in die
andere nimmt man einen Paradiesapfel - eine Zitrusfrucht - , die besonders duftet. Der
Strauss wird an allen sieben Tagen in der Synagoge während des Morgengottesdienstes nach
einem festen Brauch "geschüttelt", das heisst in die vier Himmelsrichtungen und
nach oben und unten bewegt. Er ist ein Zeichen der Verträglichkeit der verschiedenen
Pflanzen und so auch der Menschen. Eine neuere Interpretation besagt, dass die Juden, die
wie Bachweiden über die ganze Welt verstreut leben, immer verbunden sind mit ihrer Heimat
Israel, in der die Palme, die Myrte und der Paradiesapfel wachsen.
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Am Tag nach Sukkot wird ein grosses
Freudenfest in der Synagoge gefeiert. Es ist Simchat Tora, das Tora-Freudenfest, das seit
dem frühen Mittelalter gefeiert wird. Wie kein anderes wird an diesem Tag die Tora
überschwenglich gefeiert. Der Zyklus der allwöchentlichen Vorlesung aus der Tora am
Sabbat wurde nämlich beendet, und es wird sogleich wieder von vorne begonnen.
Alle Torarollen der Synagoge werden aus dem
Toraschrank herausgenommen, sind besonders geschmückt und werden mit Tanz und Gesang
durch die Synagoge getragen.
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Chanukka ist ein achttägiges
Tempelweihfest, das an den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die Fremdherrschaft
der Hellenisten aus Syrien und an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem 165 v.d.Z.
erinnert (Chanukka = Einweihung). Es ist überliefert, dass man in dem von den Hellenisten
geschändeten Tempel einen einzigen, unversehrten Oelkrug fand. Sein Inhalt reichte
normalerweise als Brennstoff für den siebenarmigen Tempelleuchter nur einen Tag lang.
Aber durch ein Wunder soll diese Oelmenge für acht Tage genügt haben, so dass inzwischen
neues, reines Öl hergestellt werden konnte. Auf dieses Ereignis geht der achtarmige
Chanukkaleuchter zurück.
Nach Einbruch der Dunkelheit werden in der Synagoge, zu Hause und heute zum Teil auch auf öffentlichen Plätzen Kerzen angezündet. Am ersten Tag ein Licht, am zweiten zwei Lichter, bis dann am achten Tag alle Kerzen brennen. Zu dieser Zeremonie gehören bestimmte Segenssprüche und Gesänge. Solange die Kerzen brennen (mindestens 30 Minuten) soll jegliche Arbeit unterbleiben, sonst aber darf während des Chanukkafestes gearbeitet werden, da es kein biblisches Fest ist.
Chanukka wird oft auch das Lichterfest
genannt und wird in der Familie und mit Freunden gefeiert.
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Purim ist ein freudiger Gedenktag zur
Erinnerung an die Errettung der Juden in Persien, die im Buch Esther beschrieben wird. In
diesem Buch geht es um die jüdische Minorität, die um ihrer andersartigen Bräuche
willen verfolgt wurden. Es wird berichtet, dass der Perserkönig Achaschwerosch von seinem
Minister Haman angestachelt wurde, alle Juden in seinem Reich umbringen zu lassen. Dies
sollte an einem besonderen Tag, den er durch das Los (= Purim) bestimmte, geschehen.
Esther, die jüdische Ehefrau des Königs, erfuhr rechtzeitig davon. Sie fastete drei Tage
lang und hiess die jüdischen Bewohner der Hauptstadt Susa dasselbe tun. So fühlte sie
sich gestärkt und wagte es, den König in dieser brisanten Angelegenheit umzustimmen. Es
gelang. Die Juden erhielten die Erlaubnis, sich an dem von Los bestimmten Tag zu wehren
und sich an ihren Feinden zu rächen.
Vor Purim wird - in Erinnerung an die
Fasttage der Königin Esther - einen Tag lang gefastet. Am Festtag selber wird zwar
gearbeitet, aber er wird - wie schon im Buch Esther beschrieben - mit einem Festmahl, mit
dem Verschenken von traditionellem Gebäck (sogenannte Hamantaschen - sie stellen die
Ohren des bösen Ministers Haman darstellen) und mit Spenden an die Armen gefeiert. Es
gibt viele, lokal unterschiedliche Bräuche für diesen Tag. Besonders beliebt ist das
Kostümieren der Kinder und das Aufführen der Purimspiele, die meist die Esthergeschichte
zum Inhalt haben. Beim Vorlesen des Buches Esther in der Synagoge dürfen die Kinder immer
dann die Geschichte lautstark unterbrechen, wenn der Name des bösen Ministers Haman
fällt.
Pessach, das erste der drei Wallfahrtsfeste (neben Schawuot und Sukkot) fällt in den jüdischen Frühlingsmonat Nissan. Es ist die Zeit der ersten Gerstenernte in Israel. Die Bedeutung dieses grossen Festes liegt in der Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, mit dem sie als Volk in die Geschichte eintreten.
In der Bibel (erstes und zweites Buch Moses)
wird berichtet, wie die Israeliten während einer grossen Hungersnot nach Ägypten
auswanderten. Zunächst ging es ihnen relativ gut. Doch dann wurden sie auf Anweisung des
ägyptischen Königs Pharao zunehmend unterdrückt und mussten schwere Zwangsarbeit
leisten. Da wurde Moses - im Auftrag Gottes - ihr Anführer. Unter Gottes Schutz wagte er
mit seinen Glaubensbrüdern eine dramatische Flucht aus Ägypten durch das Rote Meer
(Spaltung des Schilfmeeres) nach Kanaan ins heutige Israel. Die Wanderung durch die Wüste
dauerte 40 Jahre.
Der Name "Pessach" bedeutet "hinwegschreiten", "verschonen". Er erinnert daran, dass Gott die Israeliten verschonte, als er in der letzten der zehn Plagen die erstgeborenen Kinder der Ägypter töten liess, damit sie die Israeliten fortziehen liessen.
Während des achttägigen Pessachfestes wird
nur ungesäuertes Brot (Mazza) gegessen in Gedenken daran, dass der plötzliche Aufbruch
aus Ägypten es nicht gestattete, den Brotteig vor dem Backen säuern und aufgehen zu
lassen. Diese Mazza sind dünne knusprige Fladenbrote. Zu Pessach darf sich in der Küche
und in der ganzen Wohnung kein Brot befinden, alle Krümel werden weggeräumt und jeder
Winkel sauber geputzt, ähnlich dem Frühlingsputz.
Im Mittelpunkt des ersten Festtages steht nach dem Abendgottesdienst das grosse Festmahl in der Familie. Es heisst "Seder" nach dem hebräischen Wort für Ordnung. Bestimmte Speisen, die alle eine symbolische Bedeutung haben, werden - nach der Erzählung des Auszuges aus Ägypten und nachdem die der einzelnen Speisen entsprechenden Stellen aus der Pessach-Haggada (= Pessach-Erzählung) vorgelesen und erklärt wurden - gemeinsam gegessen. Dazu werden in bestimmten Abständen vier Becher Wein getrunken. Sie symbolisieren die vier Versprechungen Gottes: Er will die Kinder Israels 1. aus Ägypten herausführen, 2. sie erretten, 3. sie erlösen und 4. sie als sein eigenes Volk annehmen.
Der Gedanke an die Befreiung und der
Lobpreis Gottes stehen im Mittelpunkt des Sedermahls. Im zweiten Teil des langen Abends
werden vor allem Lieder gemeinsam gesungen. Am letzten
Tag des Festes findet in der Synagoge eine Seelenfeier zum Gedenken an die Verstorbenen
statt. Die anschliessende Zeit, die sieben Wochen bis Schawuot, haben sich im Laufe der
Zeit zu einer Trauerzeit gewandelt.
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Das zweite der drei Wallfahrtsfeste hat wie
die beiden anderen eine auf die Natur bezogene und eine historische Bedeutung. Es ist das Fest, an dem in biblischer Zeit die ersten geernteten
Früchte als Dankopfer nach Jerusalem in den Tempel gebracht wurden. Noch heute werden
alle Synagogen mit frischem Grün und Blumen geschmückt.
"Schawuot" bedeutet "Wochen". Sieben Wochen liegen zwischen Pessach, dem Beginn der Gerstenernte, und Schawuot, dem Beginn der Weizenernte.
Die religiös-historische Bedeutung von
Schawuot liegt in der Erinnerung an die Offenbarung am Berg Sinai und die Verkündigung
der 10 Gebote. In der Bibel wird berichtet, dass Moses während der Wanderung des Volkes
Israels durch die Wüste am Berg Sinai die zehn bekannten und viele weitere Gebote von
Gott erhielt.
Diese Gebote gehören zu den ersten formulierten
Sittengesetze in der Geschichte der Menschheit. Auf der Anerkennung dieser Gebote durch
die Israeliten beruht der Bund zwischen Gott und "seinem Volk". Es hat die
Verpflichtung übernommen, die göttlichen Gebote zu befolgen und sie in der Welt zu
verbreiten. In diesem Sinne ist die Formulierung "auserwähltes Volk" zu
verstehen.
Um das Schawuot-Fest ist ein
reiches Brauchtum entstanden. Es ersetzt die bei den anderen Wallfahrtsfesten zentralen
Symbole (Pessach: Mazza, Sukkot: Laubhütte):
Bekannt sind die Käse- und Quarkkuchen, die reichhaltig gebacken und serviert werden.
Wichtig ist der Brauch, die erste Schawuot-Nacht mit dem Studium der jüdischen Lehre
zuzubringen, an sie schliesst sich dann im Morgengrauen das Morgengebet an. Es ist eine
Nacht des Lehrens und Lernens im Kreise der Gemeinde oder der Freunde - dies ist
zweifellos eine würdige Erinnerung an die Offenbarung am Sinai.